ICB 4: Der neue Standard im Projektmanagement

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In diesem Beitrag behandeln wir wichtige Inhalte des neuen Projektmanagement-Standard ICB 4 der IPMA International Project Management Association.

Ich möchte dabei aufzeigen, welche Auswirkungen die Neuerungen auf Inhaber von Zertifikaten nach dem dann älteren Standard ICB 3 haben sowie worauf Interessenten und Erstzertifikanten beim Erwerb eines Kompetenzzertifikates nach IPMA jetzt achten sollten.

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Doch zunächst einige Neuerungen im Überblick:

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PPP-Management:
Die ICB 4 deckt das Management, bestehend aus Einzelprojekten, Projektprogrammen und Projektportfolios vollständig ab. Alle drei Domainen sind detailliert behandelt.

GPM Kompetenzmodell:
Mit der ICB 4 verfügen wir nun in Deutschland über ein 5-stufiges, durchgängiges Karrieremodell für die Fachkarriere im Projektmanagement.

GPM Basislevel:
Neuer Einstiegslevel ist das Basiszertifikat. Das Zertifikat läuft 5 Jahre und verfällt danach. Es gibt für dieses keine Re-Zertifizierung, das Zertifikat müsste nach Ablauf entsprechend neu erworben werden.

Projektbericht IPMA Level D:
Der am weitest verbreitete Level, also der IPMA Level D, gibt es zukünftig in der Wahlvariante mit oder ohne Projektbericht.

Inhaltliche Neuerungen:
Nachstehende Abbildung zeigt die Kompetenzelemente (CE) der ICB 4 und in braun eingefärbt die CE mit wesentlichen Änderungen gegenüber dem Standard ICB 3. Jedes Kompetenzelement wird beschrieben durch und ist detailliert in durchschnittlich drei bis sechs Kompetenzindikatoren (KCI), die Anforderungen an das gewünschte, zu beobachtende Verhalten beschreiben.

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Neue Lernformen:
In den Lehrgängen kommen neben den Präsenzformaten jetzt auch digitale Lernformate wie E-Learning und Blended-Learning zum Einsatz. Die Präsenzzeit vor Ort reduziert sich, die Freiheitsgrade für die Teilnehmer steigen, die umsatzrelevanten Ausfalltage für die Unternehmen reduzieren sich.

Zielgruppen und Befähigungen

Mit der ICB 4 steht in Deutschland nun ein 5-stufiges Karrieremodell für die Fachkarriere im Projektmanagement zur Verfügung. Nachstehende Abbildung zeigt die Zielgruppen und die beabsichtigte Befähigung der einzelnen Zertifikatsstufen für Einzelprojekte ausgehend vom Basiszertifikat bis zum IPMA Level A.

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Aus dieser Darstellung wird neben der Integration des Basiszertifikates auch deutlich, dass es mit der ICB 4 jetzt neu ein Zertifikat IPMA Level A für Einzelprojekte gibt und der IPMA Level B nicht mehr länger der höchste Level für Einzelprojekte ist. Berücksichtigt man auch das Programm- und Portfoliomanagement, besteht das Zertifizierungssystem der IPMA nach ICB 4 aus den Zertifikaten Basislevel, IPMA Level D, IPMA Level C sowie je einem Zertifikat für Einzelprojekte, Projektprogramme und Projektportfolios für den IPMA Level B und IPMA Level A (also je 3 pro Zertifikatslevel).

Zertifizierungsverfahren

Wie bisher auch können Interessierte bei der Zertifizierung ihren Wunschlevel direkt anstreben oder schrittweise im Rahmen einer Personalentwicklungsstrategie die Level nacheinander durchlaufen. Natürlich können beide Vorgehen auch miteinander kombiniert werden.

Auf der nachstehenden Abbildung sehen Sie die Prüfungsinhalte für alle Level. Links bei direktem Anstreben des Wunschlevels (Erstzertifizierung), und rechts bei dem Upgrade eines vorhandenen, gültigen Zertifikates auf den nächst höheren Zertifikatslevel (Höherzertifizierung).

Beim Erwerb des ersten IPMA-Zertifikates befindet sich der Interessent also im Verfahren der Erstzertifizierung, befindet sich also in der Darstellung links neben der Pyramide, ansonsten rechts. Bei einer Höherzertifizierung erspart sich der Zertifikant den Wissenstest IPMA Level D (Bloomstufen 1 und 2) sowie unter bestimmten Voraussetzungen den zweiteiligen Verhaltensworkshop.

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Bei den Zulassungsvoraussetzungen haben sich nachfolgende sichtbaren Änderungen ergeben: Der IPMA Level D hat keine Zulassungsbeschränkungen mehr. Bereits beim IPMA Level C ist die Komplexität des Projekts relevant und wird mit einer Komplexitäts-Messzahl bewertet. Bei den IPMA Level C und IPMA Level B wurden die Bemessungsgrundlagen verkürzt. Jetzt neu fließen beim Level C jetzt nur noch Projekte der letzten 6 Jahre in die Betrachtung ein, beim Level B die Projekte der letzten 8 Jahre. Beim Level A, der für Einzelprojekte neu ist, orientieren sich die Zulassungsvoraussetzungen an den bisherigen Vorgaben des IPMA Level A für das Programm- und Portfoliomanagement.

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In der nachfolgenden Abbildung sehen Sie die Anflug-Planung zur Zertifizierung aller Level für Einzelprojekte mit allen wichtigen Lieferterminen der Kandidaten. Im Rahmen des Zulassungsverfahrens IPMA Level D bis IPMA Level C wird auch über das zu wählende Projekt des Projektberichts entschieden. Wir empfehlen daher, die ausführlichen Anmeldeunterlagen so frühzeitig und inhaltlich fundiert bei PM-Zert einzureichen, dass keine zweifel an der Eignung aufkommen, das von Ihnen vorgeschlagene Projekt zum Projektbericht ausgewählt wird und Sie folglich ausreichend Zeit für die Erstellung des Projektberichtes haben.

Grundsätzlich gilt, dass die Anmeldeunterlagen für das Basiszertifikat und den IPMA Level D spätestens vier Wochen vor dem Prüfungstermin bei PM-Zert vorliegen müssen, bei dem IPMA Level A bis IPMA Level C spätestens 9 Wochen vor dem Zertifizierungstermin. Bei allen Leveln identisch gilt, dass die Prüfungsergebnisse den Teilnehmern innerhalb 6 Wochen nach dem Zertifizierungstermin mitgeteilt werden.

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Für alle IPMA-Zertifikatsinhaber steht nach 5 Jahren Zertifikatslaufzeit die Re-Zertifizierung an. Es handelt sich bei der Re-Zertifizierung für IPMA-Zertifikate um ein Dokumentationsverfahren, bei dem der Zertifikatsinhaber im Wesentlichen Angaben zu seiner levelspezifischen Erfahrung in der PM-Praxis der letzten 5 Jahre macht und die durchgeführte ICB-relevante Weiterbildung während der Zertifikatslaufzeit dokumentiert.

Als Weiterbildung wird die Teilnahme an Trainingsveranstaltungen, die Teilnahme an Fachtagungen, eigene Lehr-, Vortrags- oder Prüfertätigkeiten, Selbststudium von PM-Literatur oder eigene Publikationen im Projektmanagement anerkannt. Neu in der ICB 4 ist, dass diese Weiterbildungsanforderungen auch für den IPMA Level D gelten. Für Zertifikatsinhaber IPMA Level A bis IPMA Level C nach ICB 3 gilt darüber hinaus, dass sie nachweisen müssen, dass sie sich mit den relevanten Inhalten der ICB 4 befasst haben.

Die SOPRONIS unterstützt unsere ehemaligen Lehrgangsteilnehmer bei der Re-Zertifizierung mit der Bescheinigung der Teilnahme an von uns ausgerichteten kostenlosen Live-Webinaren oder bei Teilnahme an unseren Seminaren, Workshops und Lehrgängen.

Für das Basiszertifikat ist keine Re-Zertifizierung möglich. Dieses Zertifikat verfällt nach 5 Jahren Laufzeit. Danach ist eine neue Prüfung mit der dann gültigen Prüfungsordnung und den entsprechenden Inhalten notwendig.

Nachstehende Abbildung fasst die wichtigen Zusammenhänge der Re-Zertifizierung von IPMA-Zertifikaten zusammen.

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Anforderungen an die Evidence

Bei der Analyse der Kompetenzelemente (CE) und ihrer Indikatoren (KCI) in Bezug auf die Anforderungen an die einzelnen IPMA-Level spielt der Reifegrad der Kompetenzausübung nach Bloom eine wichtige Rolle.

Auf der nachstehenden Abbildung sehen Sie links die einzelnen Bloom-Stufen und rechts das für jede Bloom-Stufe zu erwartende Verhalten, die sogenannte Evidence. In der Stufe 1 (Wissen) lernen wir die Projektmanagement-Sprache, wir kennen die Begriffe. In der Stufe 2 (Verstehen) können wir die Begriffe erläutern, Zusammenhänge verstehen und Methoden auf bekannte Projektsituationen anwenden. In der Stufe 3 (Anwenden) sind wir in der Lage, Methoden auf neue, unbekannte Projektsituationen anzuwenden. In der Stufe 4 (Analyse) geht es um die Reflexion von Vorgehensweisen, das Erkennen von Abweichungen in der Methodenanwendung und das Beurteilungsvermögen, ob das getane sinnvoll ist. In der Stufe 5 (Synthese) sind wir in der Lage, Projektsituationen durch den Einsatz passender Methoden zu verbessern. Durch den Methodeneinsatz generieren wir zielbezogenen Mehrwert, gegebenenfalls sogar neue Werte. In der Stufe 6 (Beurteilung) sind wir in der Lage, Methoden eigenständig einzuführen, andere in der Anwendung der Methode anzuleiten und die Kultur des Unternehmens zielorientiert zu verändern.

Für jedes Kompetenzelement gibt die ICB 4 spezifisch für jeden Zertifizierungslevel das Niveau der Evidence vor, wie dies als Beispiel in der Darstellung unten rechts zu sehen ist.

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Denn: Mit Projekten Zukunft gestalten heißt, mit SOPRONIS Zukunft gestalten.

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